Freiburger Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm e.V.
Freiburger Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm e.V.

Flugplatzchronik

Der Verkehrslandeplatz (VLP) Freiburg wurde im Jahre 1911 (damals weit außerhalb der Stadt) für militärische Zwecke angelegt.

 

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte ihn das französische Militär bis zum Jahre 1990. Nach dem Abzug der französischen Truppen siedelten sich vermehrt Sportflieger, Flugschulen und einige mit dem Flugverkehr verbundene Betriebe an. Durch die Ausdehnung des Stadtgebietes rückte der Flugplatz mit allen von ihm ausgehenden Belastungen von seiner ursprünglichen Randlage in immer größere Nähe zu Wohngebieten. Er erwies sich auch auf Dauer als unwirtschaftlich (bis heute regelmäßiger Zuschuss von 200000 bis 300000 € durch die Stadt - siehe Links/Beteiligungsbericht). Überdies gewährt das Land für den Betrieb des Flugplatzes einen Zuschuss in Höhe von 40.000 € jährlich

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Anfang der Neunzigerjahre wurde die Verlegung des alten Messegeländes (Messplatz / Stadthalle  zum heutigen Standort beim Flugplatz geplant. Der Flugbetrieb stand diesen Plänen im Wege. Daher beschloss der Freiburger Gemeinderat im April 1995 dessen Einstellung.
In einer aufwändigen Kampagne gelang es der Flugplatzlobby, im Juli 1995 einen Bürgerentscheid über den Erhalt des VLP herbeizuführen. Die Werbestrategie der Flugplatzbetreiber zielte bei dem Bürgerentscheid hauptsächlich auf die Ängste der Bevölkerung. So wurde das Schreckgespenst einer dichten Bebauung des Flugplatzes und der damit einhergehenden Verschlechterung des städtischen Klimas insbesondere im angrenzenden Stadtteil Mooswald entworfen. Darüber hinaus behaupteten die Flieger, dass die Arbeit der Freiburger Rettungsflug-Station bei Schließung des VLP stark beeinträchtigt würde, wenn nicht gar in eine andere Stadt verlegt werden müsse, weil Rettungsflüge mit dem Hubschrauber nicht mehr stattfinden könnten (als ob Rettungshubschrauber eine Landebahn benötigten). Die die damals immer wieder ins Feld geführten, angeblich notwendigen Transplantationsflüge haben sich mittlerweile durch ein diesbezügliches Dementi der Uniklinik erledigt. Es gibt übrigens gut ausgebaute Flugplätze in Lahr und Bremgarten, auf denen ohne weiteres auch größere Maschinen landen können.
Mit dieser Panikmache gelang es den Flugplatzbefürwortern, die Mehrheit beim Bürgerentscheid zu bekommen. Allerdings erreichten sie nicht das notwendige Quorum, das den Gemeinderatsbeschluss zu Fall hätte bringen können. Dennoch widerrief der Gemeinderat (vor allem durch den Sinneswandel der Grünen) seine Entscheidung, den VLP zu schließen. Die Sicherheit der Messebesucher war plötzlich kein Argument mehr. Man begnügte sich mit einem faulen Kompromiss: Verkürzung der Landebahn, um ein Nebeneinander von Messe und VLP zu ermöglichen.

 

Sofort nach dem Beschluss zum Erhalt des VLP wurden vom damaligen Leiter des Liegenschaftsamtes, der zugleich in Personalunion Geschäftsführer der Flugplatz GmbH war, langlaufende Pachtverträge (quasi mit sich selbst) abgeschlossen (gegenwärtig bis zum Jahr 2031!), die dem Gemeinderat politische Gestaltungsmöglichkeiten bzgl. des VLP auf lange Zeit entzogen, was sich bis heute rächt (siehe letztes Kapitel).

Augenblicklich nutzen im wesentlichen Flugschulen und eine Anzahl Hobbyflieger den VLP. Nach wie vor verursacht der Flugbetrieb eine große Lärmbelästigung, insbesondere deshalb, weil An- und Abflüge über Wohngebieten stattfinden. Außerdem ist der Hauptflugbetrieb an Sonn- und Feiertagen sowie am Feierabend und stört damit massiv das Bedürfnis der Bevölkerung nach Ruhe und Erholung. Hinzugekommen ist auch eine deutliche Lärmbelastung durch Privathubschrauber und Leichtflugzeuge.


 

Der an den Flugplatz angrenzende Wolfsbuck (eine ehemalige Mülldeponie) wurde vor Jahren im Zuge der Rekultivierung mit erheblichen Mitteln zu einem gewissen Teil aufgeforstet. Dabei wurden auch hoch wachsende Bäume gepflanzt, da man von der Annahme ausging, dass der Landeplatz geschlossen werden würde. Nachdem die Bäume eine gewisse Höhe erreicht hatten, mussten sie teilweise wieder gefällt werden, um die Flugsicherheit zu gewährleisten. Insgesamt wurde ein Waldgebiet in der Größenordnung von ungefähr 2 ha gerodet und mit niedrig wachsenden Büschen bepflanzt.


 

Aus flugtechnischen Gründen beantragten die Flugplatzbetreiber eine Verlängerung der Startbahn. Dem Antrag wurde stattgegeben. Die Widersprüche zahlreicher Bürger und Organisationen, darunter auch vieler Mitglieder unseres Vereins, wurden zurückgewiesen. Obwohl sogar im Gutachten des Planfeststellungsverfahrens stand, dass die Lärmbelastung über dem Klinikum die vorgegebenen Höchstwerte überschreite und dass nach Ansicht des Innenministeriums der Bezugspunkt zur Bebauung falsch sei. Bis zu 20 ha wertvoller Waldbestand mussten vernichtet werden, um die Verlängerung zu realisieren. Dadurch kamen sich Start- und Landebahn und Messegelände unverantwortlich nahe. Es stellt sich die Frage, warum nun die Sicherheit der Messebesucher als weniger wichtig angesehen wurde als früher.


 

In neuerer Zeit hat die Genehmigung und der Bau des neuen SC-Stadions für Furore gesorgt, den die Fliegerlobby (diesmal vergeblich) heftig bekämpft hatte. Nun beschert die Koexistenz bei Fußballspielen den Fliegern eine Start- und Landepause von einigen Stunden im Monat, die für Hubschrauber durch einen leicht verlegten Landeplatz (siehe Antrag in Links/Antrag auf Verlegung …) umgangen werden soll. Erstaunlich ist allerdings, dass bei der großen Wohnungsnot in Freiburg, die dazu führt, dass große landwirtschaftliche Flächen zur Wohnbebauung umgewidmet werden (neuer Stadtteil Dietenbach) am SC-Stadion mehr als 2000 Autoparkplätze geschaffen wurden, die unweit der über 3000 Parkplätze bei der neuen Messe liegen. Offensichtlich gilt bei der Flächennutzung in Freiburg: Fußball / Fliegen vor Wohnen vor Landwirtschaft!

 

Im Februar 2020 hat die Fraktion der Grünen überraschend den Antrag gestellt (der mit 'Eine Stadt für alle' und 'Jupi' eine Mehrheit erhielt), die Stadtverwaltung möge eine Aufstellung hinsichtlich der Kosten bzw. Ersparnis liefern, die für eine Schließung des VLP in 2031 oder zu einem früheren Zeitpunkt entstehen würden, um auf dieser Grundlage politisch zu entscheiden, ob und wann der Flugplatz geschlossen wird. Zur Begründung wurden die jährlichen Zuschusskosten genannt (siehe oben), die angestrebte Klimaneutralität und das Entwicklungspotential, das das riesige städtische Gelände biete. Erwartungsgemäß stimmten die 'bürgerlichen' Parteien dagegen -die SPD enthielt sich erstaunlicherweise. Es gibt also Hoffnung, dass die Grünen den Fehler beim Bürgerentscheid der Neunzigerjahre, trotz verfehltem Quorum den VLP zu erhalten, in den kommenden Jahren korrigieren werden. Unsere Unterstützung hätten sie!

 

 

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